Seelensplitter

Eben bin ich im amerikanischen WoW-Forum auf diesen Thread gestossen: Mathematical Proof By Contradiction: Shards

Ich bin bei meinen eigenen Überlegungen zum Warlock zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen: Man kann Soulshards nicht dazu verwenden um einen Ausgleich zwischen den Klassen herbeizufügen.
Ich gehe allerdings von einer anderen Seite heran:

Die Idee ist eigentlich gut: Man gibt Warlocks eine Reihe von Sprüche, die vom Nutzen leicht unter dem allgemeinen Schnitt liegen, und ein paar Sprüche, die leicht über’m Schnitt liegen. Man gibt nun den starken Sprüchen noch eine zusätzliche Vorraussetzung mit, um zu verhindern, dass sie dauernd eingesetzt werden: Sie brauchen eine Reagenz, die zwar nicht schwer zu besorgen ist, aber einen gewissen Einsatz von Zeit erfordert.
Der Spieler muss sich nun überlegen, ob er einen Shard einsetzt oder sich vielleicht auf seine schwächeren Sprüche verlässt. Dadurch gleichen sich schwache und starke Sprüche aus und der Warlock befindet sich etwa auf einer Ebene mit den anderen Klassen.

Solange die Spieler für ihre aufgewendete Zeit eine entsprechende ‘Gegenleistung’ bekommen, ist alles in Ordnung. Sie werden weiterhin Zeit aufwenden um an Soulshards zu kommen. Aber mal ehrlich: Man hat ein paar starke Sprüche und das einzige was einen daran hindert sie öfter zu verwenden, sind Soulshards. Also wird man doch beim nächsten Mal einfach ein paar mehr mitnehmen oder öfter sammeln gehen. Der Anreiz dafür ist ja da: Die eigene Klasse wird besser.
Für alle anderen sieht es dann so aus als ob Warlocks ihre besonderen Fähigkeiten dauernd verwenden würden und tatsächlich: Statt den normalen 100% Leistung sind, laufen Warlocks (plötzlich) auf 110% oder 120%. Da man den Spieler nicht verbieten kann ihre Soulshards zu verwenden, bleiben nur noch eine Möglichkeit: Man muss die Effektivität der Warlocks senken. Nun hat man einen Char mit einer Reihe schwacher Sprüche und ein paar Normaler. Hier hätte man auch gleich die Soulshards abschaffen müssen, da sie ja jetzt ihren Zweck verloren haben. Da Blizzard (wie jeder andere MMORPG-Hersteller auch) versucht möglichst wenig Eingriffe zu machen, ist das leider nicht passiert.

Wie stellt sich die Situation nun für den einzelnen Warlock-Spieler da: Er verhält sich am Anfang wie vorgesehen. Er verwendet seine freien Sprüche und setzt hin und wieder (in dem Maße wie er sie mit seinem aufsteigenden Level bekommt) seine speziellen Attacken ein. Im Laufe der Zeit wird er feststellen, dass er mit seinen schwachen Sprüchen auch nur schwache Ergebnisse erzielt und mit dem Einsatz von Soulshards langsam auf eine normale Stärke kommt. Er wird in die Position gedrängt, dass er um überhaupt vernünftige Resultate zu erzielen, viele Soulshards sammeln muss. Aus freiem Willen wird Zwang, aus Spass wird Frust, und wir wären bei der momentanen Situation angekommen.

Folgerung: Ich bin der Meinung dass es nur 2 stabile Zustände gibt: Entweder der Spieler sammelt freiwillig um damit besser zu sein als die anderen Klassen, oder er wird gezwungen zu sammeln um überhaupt eine Chance zu haben. Zwischenstufen werden nur eine zeitlang eingenommen. Jeder der beiden Zustände ist für eine Gruppe (Warlocks/Rest) frustrierend.
Theoretisch müsste es eine Gewichtung der Sprüche geben, mit der beide Gruppen gleich (un-)glücklich sind, aber im Moment stellt es sich so dar, dass dieser ‘Korridor’ so schmal ist, dass er in absehbarer Zeit (und mit gleichzeitiger Änderung der anderen Klassen) nicht erreicht werden kann.
Deswegen wäre es sinnvoll solche durch ihr Design instabilen Konzepte aus dem Spiel zu entfernen.

Ausblick: Diese Instabilität lässt sich auch im Schurken-Konzept finden. Die niedrige Überlebensfähigkeit der Schurken zwingt sie in eine ähnliche Situation: Entweder ist er stark genug um einen Gegner zu töten, bevor dieser sein Potenzial entfalten kann oder er wird selbst getötet. Der Korridor in dem die Kämpfe 50/50 ausfallen, ist auch hier sehr schmal. Das ist allerdings nur ein Teil der Probleme, die die Schurken durch ihr Design haben.

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